Zwischen Tag und Nacht 2

In der Nacht hat der Spalt sich über den Worten geschlossen, sie unter frisch aufgeworfener Erde begraben.
Wer sein Ohr der Erde nähert hört sie wispern. Die Wolken lösen sich auf und verregnen den neuen Tag. Im Regen verschwimmen die Worte, die neu geboren nach außen schlüpfen. Kleine Rinnsale und Kanäle schlängeln sich durch die braunen Felder, Gedanken tauchen auf und ab. Wie gut die Erde riecht.
Lass es schweigen, gebietet die innere Stimme. Diese Zeit lebt ohne Worte und lässt der Sprache Zeit. Sei still und spüre den Dingen auf den Grund, fühle ihr Sein.
Bis der Regen zu Schnee wird, lass uns die Worte meiden, Liebste. Manchmal führen sie nur weg von uns selbst.
Im Ein-und Ausatmen der Welt liegt schweigsame Größe – nicht zu erfassen – und du bist Teil von ihr.

~ von findevogel am 11. Dezember 2011.

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