Stille Zeit

Es war wie so oft am Fenster – hinter Glas – zwischen den Zeiten, die aus einander rückten und Platz machten für Überlegungen und Gedanken außerhalb der Zeit. Frag mich nicht, wie es geschehen kann, zwischen die Zeiten zu fallen. Es öffnen sich Fenster und Türen in den unerforschten Raum. Du schaust hinaus, versucht zu erfassen – anderes zu erleben, während auf deiner Seite des Fensters die Zeit stehen bleibt und jede Bewegung erlischt. Prozesse sind gestoppt und Ereignisse lassen sich Zeit.
Die Welt hält den Atem an und warte auf das Echo kleiner Schritte in unbekannten Räumen, denn jeder Schritt schafft eine neue Idee.
Wenn du mich begleiten willst, musst du still werden so lange, bis du das Fließen des Blutes in deinen Adern spürst und dir – ganz gleich wo du bist – von den Zehen bis zu den Haarspitzen angenehm warm ist. Du spürst den Strom in dir und seine Energie, die dich wärmt – du fühlst, wie es kreist. das Universum hüllt dich in einen Mantel aus Kraft. In ihm setzt sich das innere Kreisen fort: in sich weitenden Ringen, die ins Unendliche wachsen, Reiz und Impuls gebend.
Dir wird deutlich bewusst, dass du ein kleines Kraftwerk bist und deine Essenz Spuren hinterlässt.
Wenn ich das Fenster schließe, wieder in meiner Zeit lande, staune ich darüber, dass all das geschehen ist, während um mich herum alles gleich geblieben ist. Keine Zeit vergangen. Nur ich selbst bin verändert und vollkommen wach.

~ von findevogel am 3. Dezember 2011.

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