wandlung

welche gespenster, geister und luftschlösser; welche abgründe, schatten und unholde durch marie´s scheinbar traumlosen schlaf spazierten und sich angeschickt hatten ein bühnenstück zu inszenieren, ich weiß es nicht, aber ihre lieder flatterten, und einmal – ich hielt gerade die trockene zarte hand – einmal huschte ein lächeln über ihr gesicht.

es war so berührend, dass ich beschloss, nun jeden tag eine weile an maries bett zu sitzen und ihr geschichten zu erzählen. vielleicht die geschichten von frau mai, die bisher weder einen platz besaßen, noch einer konkreten motivation gefolgt waren. wer konnte schon sagen, was geeignet war, den geist eines menschen, der im koma lag, zu veranlassen, sich wieder mit seinem körper zu verbinden?

mir, claire, wurde in diesem augenblick bewusst, dass dieses geschichtenerzählen, wenn nicht für marie, so doch für mich selbst etwas heilendes besaß:
ich kann etwas tun, die zeit nutzen und versuchen mit meinen mitteln, marie zu erreichen. es wird meiner ohnmacht die hilflosigkeit nehmen und das brüchig gewordene band zwischen zwei freundinnen, die keine gemeinsame sprache mehr besitzen, erneuern.
(angie 2008)

~ von findevogel am 30. November 2011.

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