K. besaß offensichtlich kein Gespür für alles, was sich zwischen Himmel und Erde ereignet, ohne dass man es wissenschaftlich begründen kann. Ich glaube, das Wort “Phänomene” gab es in seinem Wortschatz nicht, jedenfalls hörte und las ich es nicht aus seinem Munde. Er schrieb glasklar und knapp, aber oft streifte mich der Gedanke, seine Worte wären eine Armee von Soldaten, die einen neuen Kampfplatz suchten.
Immerhin aber wusste er Menschen für sich zu gewinnen, sie einzulullen und mit Worten in seine Interessen zu verstricken. Stets machte er alles äußerst wichtig, so als hingen Leben und Gesundheit vom gemeinsamen Tun ab.
Plötzlich steckte ich dazwischen und fragte mich: “Wie bin ich denn da hinein gekommen?” und suchte vergeblich nach einem sofortigen Ausgang. “Jesses” dachte ich “was nun?” und ich fragte meine Wölfin, was sie denn von der Sache halten würde. Sie leckte mir die Hand mit ihrer warmen Zunge und machte es sich gemütlich auf dem Boden zu meinen Füßen, mitten im zerzausten Wortknäul, dem die Fäden wie Igelstacheln abstanden.
“Aha,” ich schaute sie an und verstand: “Du möchtest, dass ich eine Nacht darüber schlafe.”
Und ich legte mich neben sie, schmiegte mich an ihr Fell und schlief gleich ein.
“Was man nicht ändern kann, kann man nicht ändern. Vielleicht ist der Zeitpunkt falsch.” war mein letzter Gedanke.
Am nächsten Morgen war das zerzauste Wollknäul verschwunden und der Weg frei. Nur ein paar deftige Schimpfworte schwebten noch durch die Luft, zogen aber ab. Ich fühlte mich erleichtert und lüftete den Raum. Ein paar unangenehme Wortgerüche hingen auch noch in den Ecken.
Was ich daraus lernte? Manches regelt sich ohne mein Dazutun.
Schutztier
•5. Februar 2010 • Hinterlasse einen KommentarFebruar 1
•2. Februar 2010 • 2 Kommentarewas mir am winter am besten gefällt
ist die stille, die sich einstellt
außen und innen
wenn der himmel die erde mit schneeflocken segnet
und ich mich fast völlig im flockentanz verliere
wozu brauche ich dann eine stimme und laute
wenn doch stumm das herz zum herzen spricht?
Stille
•30. Januar 2010 • Hinterlasse einen Kommentarich schaue dich an
sehe dich
wie du still bist
in dich versunken
und das große OM
den Raum mit Schwingung füllt
Schwingung, die du in dir spürst
Wellen, die aufbrausen und abflauen
Vibration zwischen Himmel und Erde
Wogen, die dich davon tragen
eintags
•26. Januar 2010 • Hinterlasse einen KommentarMärchenwald draußen, noch einmal zaubert der Winter weiße Magie. Zugedeckt, was gestern offen lag. Gelöscht ein Feuer, das um sich griff. Alles still, nur die spärlich bekleideten Stimmen in deinem Kopf tanzen auf dem Seil, als sei der Frühling schon ausgebrochen und der Himmel blau.
Vielleicht, wenn der Schnee schmilzt und alles wieder zutage tritt, vielleicht löst sich dann der Knoten.
Zeitfenster 3
•25. Januar 2010 • Hinterlasse einen Kommentarunter der erde in meinem inneren garten regen sich die pflanzen. sie sind aus ihren winterträumen erwacht, strecken und recken sich, klopfen an. ich lege mein ohr an die erde und spüre ihre zarten triebe. noch ist es nicht so weit. der winterbehauptet zeit und raum, was sein gutes recht ist. die pflänzchen unter der erde wissen das und lassen sich von seinen drohgebären nicht erschrecken. so dösen sie noch einmal ein und sammeln ihre kräfte für den tag, an dem sie durchbrechen dürfen.
Gedankenfenster 2
•24. Januar 2010 • Hinterlasse einen KommentarIch sollte meine Gedanken an die Leine legen, damit ich noch hinter her komme, ohne aus der Puste zu geraten. So stieben sie davon in alle Richtungen, und gehen mir verloren. Dann werden sie zu streunenden Hunden und landen vielleicht bei Herrn Zweisam oder Frau Genügsam. Sicher werden beide ihm ein bisschen Futter geben, damit sie da bleiben, denn Herr und Frau fürchten sich vor ihrer Gedankenleere. Da kommt jeder fremde Gedanke, ganz gleich wie verrückt er auch ist, gerade recht. Aber wie Gedanken so sind, sie sind frei und nicht wirklich an die Kette zu legen. Selbst aus einem Netz mit feinsten Löchern entkommen sie. Und was, wenn Herr Zweisam oder Frau Genügsam meinen Gedanken ganz falsch verstehen? Wie muss der Gedanke sich dann fühlen, so missverstanden. Vielleicht wird er an sich selbst zweifeln und zu mir zurückkommen, aber ich werde ihn nicht erkennen, weil alles verdreht ist und auf dem Kopf steht. Aber vielleicht sind die aufgeschnappten Gedanken, die man nicht gleich wieder erkennt etwas ganz Besonderes und durch den neuen Blickwinkel – wer oder was ist verrückt? – weiterführend bis an den Horizont und weit darüber hinaus.
Gedankenfenster
•23. Januar 2010 • Hinterlasse einen KommentarIch fand am Nachmittag einen Gedanken, eher war es ein Erinnerungsblitz. Ich wollte ihn festhalten und an die imaginäre Wäscheleine klammern, aber leider kam mir was dazwischen, und nun habe ich ihn wieder verloren.
Vielleicht ist er zwischen die trockene Wäsche gefallen, allerdings ist die jetzt gefaltet und in Wäschekörben gestapelt. Hm, und so ein Gedankenblitz, der aus heiterem Himmel und überraschend zuckt, der ist ja nicht sichtbar. Ich stand am Herd, als er mich aus meinen Tagträumen riss, aber was ich dort tat, weiß ich nicht mehr? War es als ich mit der Hand Kaffee aufgoss und parallel Rührei zubereitete? Ach, da war ja auch noch die alte Musik von King Crimson oder war das später zwischen Kochen und Wäschekörben?
Schade, zwischen all den bewussten und unbewussten Erinnerungen, finde ich ihn nicht wieder, so wie man eine Stecknadel im Heuhaufen nicht wieder findet.
Sie dachte ROT
•16. Januar 2010 • 2 KommentareSie dachte ROT
und es wurde warm
ein FEUER, dachte sie
und die Flammen zischten
glutrot, zinnober, gelborange
Funken belebten die Blutbahn
Vorbei das Zaudern
Machtvoll stand die Wolfsfrau
am Rande des großen Waldes
scheinbar mit gesträubten Fell und witternder Nase
in den Ohren fing sich die Welt
ein Sprung nur hinüber
ins Zwischenreich
in memerandum
•12. Januar 2010 • Hinterlasse einen KommentarIn Memerandum
Für eine kurze Zeit dachte ich
dass wir manche Gedanken teilen können
doch dann – etwas später – erkannte ich
dass wir aneinander vorbei gedacht hatten
und das von uns Gedachte
sich nicht einmal berührt hatte
***
Berührung
Berührte ich dich, je?
Gab es wenigstens eine Saite
die ich zum Klingen bringen konnte?
Oder war alles Nichts und mein Fühlen Irrtum?
Warum aber klingen dann in mir neue Saiten?
